Rollen

In der häufigsten Pflegesituation pflegt die Tochter die Mutter oder Schwiegermutter. Erinnert von der Pflegenden wird jedoch die ursprüngliche Rolle: die Tochter war das Kind gewesen, das von der Mutter versorgt und seinerseits gepflegt worden war. Je schwieriger die Pflege, je gravierender eine durch eine Krankheit bedingte Inkontinenz, desto schärfer wird die Diskrepanz zwischen dem Erinnerten und der jetzigen Realität wahrgenommen.

Auch den Gepflegten fällt es schwer, die veränderte, „verkehrte“ Situation zu akzeptieren. Aus diesem schweren Rollenkonflikt – beide Beteiligten können jeweils ihre Rolle nicht annehmen – erwachsen schwerwiegende Probleme. Zwar müssen die Menschen eng gemeinsam handeln, jedoch kann etwa Ablehnung und Abwehr das gemeinsame Handeln erschweren und unmöglich machen. Hierdurch wird der Konflikt weiter verschärft: die Mutter wird zum trotzigen Kind, die Tochter zur heftig agierenden Mutter.

Aber sogar die „Annahme“ der Kleinkinderrolle durch die gepflegte Person wirkt enorm belastend. Ein Eintauchen in die Rolle des unmündigen Kleinkindes und akzentuierte Hilflosigkeit belastet die Pflegesituation, ein Hilfebedarf zeigt sich dann, der weit umfassender als nötig wäre.

An diesen Konstellationen können Familien zerbrechen.

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